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Gedächtniskapelle

Unmittelbar neben der St. Martinus Pfarrkirche in Wessum steht die ebenfalls denkmalgeschützte Gedächtniskapelle – ein im Jahr 1511 errichteter gotischer Backsteinbau mit Walmdach, der im Volksmund auch „Oratorium“ oder „Gebetshaus zum Leiden Christi“ genannt wird. Sie ist seit 1921 Gedenkstätte für die Gefallenen und Vermissten der Kriege.

Bei der Gedächtniskapelle handelt es sich um eine dreijochige Halle. Auf der Ostseite befindet sich eine loggienartige Öffnung mit drei großen Spitzbogenarkaden auf Rundpfeilern. An den Seiten sind dreibahnige Maßwerkfenster sowie niedrige spitz-
bogige Durchgänge vorhanden. Die beiden Giebelseiten enthalten ferner je ein breites, spätgotisches Fenster mit der Darstellung des Hl. Michael und des Hl. Sebastian.Darunter befinden sich insgesamt neun Sandsteintafeln mit den Namen
der gefallenen und vermissten Soldaten der Kriege 1870/1871, 1913 – 1918 und 1939 – 1945.

Im Mittelalter, bevor der Kreuzweg bekannt war, wurden die Andachten zum leidenden Heiland an einem Platz vor der Kirche abgehalten. Diese Stätte nannte man „Oratorium – Leiden Christi“. Fachleute bezeichneten das Gebäude als einmalig und
stellten es unter Denkmalschutz. Im Jahr 1790 sollte das Gebäude zweckentfremdet für Schulräume umgebaut werden. Remonstranten, eine Gruppe von 26 kirchlich orientierten Wessumer Männern, konnten jedoch den Umbau verhindern und diese Stätte der christlichen Frömmigkeit erhalten.

Das Gebäude schien damals sehr baufällig gewesen zu sein, so dass der Kirchenvorstand das Gebäude 1814 für 99 Reichstaler an Jan Gerd Hermann Schulze-Buschoff verkaufte, der auch zu den Remonstranten gehörte. Später hat er das Gebäude dann an den Polizeidiener Bernhard Heinrich Vortkamp für 100 Taler verkauft. In dieser Zeit wurde das Gebäude als Wohnung genutzt und hierzu das Gewölbe entfernt.

Im Jahr 1889 hat die Kirchengemeinde das Gebäude für 1.700 Mark wieder erworben und baute es mit erneuertem Kreuzgewölbe zurück.

Gemeinsam mit dem Regierungsbaumeister Hensen aus Münster wurde auf Anregung von Pfarrer Wigger ein Plan für die Umgestaltung der Gebetshalle „Leiden Christi“ zu einer Kriegergedächtnisstätte entworfen und 1920/1921 mit den Bauarbeiten begonnen.

Kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges wurde das Gebäude bei der Bombardierung Wessums im März 1945 stark beschädigt. Das eingestürzte Gewölbe und eine Sei tenwand wurden 1951 auf Veranlassung von Pfarrer Depenbrock wiederhergestellt, der die renovierte Kapelle am 1. Mai 1951 einweihte.

Weitere Restaurierungen erfolgten 1971 und 1999, als das Gebäude auf Initiative des Bürgerschützenvereins mit Kostenbeteiligung des Schützenvereins Averesch, der damaligen Krieger- und Reservistenkameradschaft, der Kirchengemeinde St. Martinus, des Kreises Borken und der Stadt Ahaus mit einem Kostenaufwand von 100.000 DM grundlegend instandgesetzt wurde.

So bestätigt sich einmal mehr die Erfahrung, dass historische Gebäude nur dann eine Überlebenschance haben, wenn sie einer passenden Nutzung zugeführt werden.

Auf Anregung des Heimatvereins Wessum wurde die Gedächtniskapelle 1968 als Wappenmotiv für die Gemeinde Wessum mit der Bauerschaft Averesch und dem Ortsteil Graes verwandt. Bis in die heutige Zeit beginnen der Bürgerschützenverein Wessum e.V. und der Schützenverein Averesch e.V. ihre Schützenfeste mit einem Gottesdienst an der Gedächtniskapelle zum Gedenken an die Gefallenen und Vermissten der Kriege. Alljährlich veranstalten diese beiden Schützenvereine hier unter Mitwirkung des Musikvereins und des Cäcilienchors zusammen mit allen Wessumer Vereinen am Volkstrauertag die Gedenkfeier für die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft.

Diese Station ist Teil der 900 Jahre Jubiläums Fahrrad Tour. Schaut euch auch gerne die anderen Stationen an:

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