St.-Martinus-Kirche
Die St.-Martinus-Kirche in Wessum ist eine aus Münsterländer Sandstein errichtete gotische Hallenkirche. Architektonisch gliedert sie sich in den Kirchturm im Westen, das aus vier Abschnitten (Jochen) bestehende Hauptschiff mit den beiden gleich hohen Seitenschiffen (Hallenkirche) und ein zusätzliches Chorjoch, welches im Osten in einer 5/8 Apsis endet.
Der Legende nach wurde eine erste kleine christliche Gemeinde im heutigen Wessum durch den Besuch von Abt Bernrad und dem heiligen Lebuin auf dem Hof Wesheim im späten achten Jahrhundert gegründet. Es wird vermutet, dass an der Stelle der heutigen Kirche zunächst eine einfache Kirche aus Holz gestanden habe, welche später durch eine Steinkirche ersetzt worden sein soll. Ein erster historischer Beleg für eine Kirche in Wessum findet sich im Jahr 1188, in dem erstmalig die Existenz einer Pfarrei urkundlich erwähnt wird. Die Kirche dieser Pfarrei hatte ursprünglich ein Doppelpatronat und war sowohl Maria als auch dem heiligen Martin von Tours geweiht. Im Laufe der Geschichte konnte sich jedoch St. Martin als einziger Patron der Kirche durchsetzen. Die jetzige Kirche wurde in der Mitte des 14. Jahrhunderts errichtet und bestand zunächst aus dem westlichen Kirchturm mit einem beidseitigen Treppengiebel und einem Dachreiter, durch die man die Wessumer Kirche schon von weitem erkennen kann, einem dreijochigen Schiff und einem Chorjoch im Osten.

St.-Martinus-Kirche im Jahr 1895. Quelle: Albert Ludorff © LWL-DLBW.
Aus der Erbauungszeit stammen auch die drei Glocken, die noch heute in Wessum zu hören sind. Die älteste Glocke stammt aus dem Jahr 1360, die beiden anderen Glocken wurden in den Jahren 1496 bzw. 1499 durch den bekannten Glockengießer Gerdt van Wou gegossen. Eine vierte kleine Glocke aus dem Jahr 1433 wurde kurz vor Ende des 2. Weltkrieges durch Beschuss zerstört. Auch aus dieser Zeit stammt das achteckige Taufbecken, das ebenfalls aus Sandstein geschlagen ist und dessen Seiten an Kirchenfenster erinnern. Noch heute werden in diesem historischen Taufbecken die Kinder getauft.
Im Laufe der Zeit sammelten sich innerhalb der Kirche zahlreiche Kunstwerke. Besonders hervorzuheben sind die spätgotische Sakramentsnische, die Doppelmadonna und die Martersäule, die alle aus dem 15. Jahrhundert stammen.

St.-Martinus-Kirche (Innenraum) im Jahr 1895. Quelle: Albert Ludorff © LWL-DLBW.
Mit der wachsenden Bevölkerungszahl wurde an der Schwelle zum 20. Jahrhundert eine Erweiterung der Kirche erforderlich. Dazu wurde 1899 zunächst der Chorraum abgetragen und das Kirchenschiff um ein Joch nach Osten verlängert. Im Anschluss wurde der Chor originalgetreu neben dem verlängerten Kirchenschiff wiederaufgebaut, wodurch die Kirche von außen ihre heutige Gestalt erhielt. Im Jahr 1915 wurde dann auch feierlich der neugotische Hochaltar im Inneren der Kirche eingeweiht, welcher bis heute den Abschluss des Chorraumes bildet.
Während die Kirche den 1. Weltkrieg unbeschadet überstanden hatte, kam es kurz vor Ende des 2. Weltkrieges doch noch zu einem Angriff auf Wessum. Während eines Bombenangriffes im März 1945 wurde die Kirche getroffen und das Gewölbe stürzte ein. Durch die Wucht des Bombentreffers und den Einsturz des Daches wurden alle Buntglasfenster der Kirche zerstört. Nach den erforderlichen Reparaturen am Dachstuhl und Gewölbe wurden zunächst einfache Glasscheiben eingesetzt. Den Entwurf der neuen Buntglasfenster übernahm dann der Wessumer Künstler Josef Nienhaus. In einem ersten Schritt wurden 1950 die Motivfenster im Chorraum eingebaut, welche vom Kirchenschiff aus gesehen auf der linken Seite Szenen aus dem Leben des heiligen Martin und auf der rechten Seite drei Abschnitte aus dem Leben Jesu darstellen. Zentral hinter dem Hochaltar wurde das Motiv des auferstandenen Christus installiert. Einige Zeit später, im Sommer 1959, konnten dann auch im Kirchenschiff die Fenster erneuert werden.

St.-Martinus-Kirche im Jahr 2012. Quelle: Foto Walburga Kösters ©
Nach den Veränderungen durch das Zweite Vatikanische Konzil (1962 – 1965) musste auch die Kirche in Wessum an die neuen Gegebenheiten angepasst werden. Der damalige Pfarrer Scharmann nahm sich dieser Aufgabe an und so wurde 1971 zunächst der Innenraum umgestaltet. Im Jahr 1974 konnte dann in einem festlichen Gottesdienst der heutige Altar durch den damaligen Weihbischof Lettmann geweiht werden. Ihre heutige Innengestaltung erhielt die St.-Martinus-Kirche schließlich 2007 durch den damaligen Pfarrer Dertmann, der unter anderem das Taufbecken aus der kleinen Seitenkapelle in den Eingangsbereich versetzen ließ und die Taufkapelle somit zu einem Raum für Seelsorgegespräche und die Beichte umwidmete.

St.-Martinus-Kirche (Innenraum) im Jahr 2025. Quelle: Foto: Walburga Kösters ©
Die St.-Martinus-Kirche in Wessum ist somit ein Gebäude mit einer langen Geschichte, das sehr eng mit der Geschichte des Dorfes verbunden ist. Dabei zeigen die zahlreichen Anpassungen und Umgestaltungen an Gebäude und Ausstattung, dass der Glaube der Menschen bis heute eine lebendige Kraft ist, die sich in immer neuen Formen ausdrückt, ohne dabei mit dem Alten komplett zu brechen.
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